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Bericht "Videoabend" mit Hans Melzer 

Videoabend mit Hans Melzer

 

Zum traditionellen vorweihnachtlichen Videoabend im Advent am vergangenen Mitwochabend konnte der Freundeskreis mit Hans Melzer auch in diesem Jahr eine herausragende Persönlichkiet des Vielseitgkeitsportes engagieren. Ganz sicher hatte der Bundestrainer unserer deutschen Buschreiter im Jahr der Weltreiterspiele in Kentucky viel spannendes zu erzählen! - und so war es auch. Natürlich hatte er sämtliche Ritte unserer Reiter in Kentucky als Video mit im Gepäck und so konnte jeder, der im Sommer die TV Übertragungen verpasst hatte hier noch einmal einen Eindruck gewinnen von der Strecke in Kentucky, die unseren Reitern und sämtlichen Fans zu Hause und in aller Welt vor den Bildschirmen so denkwürdige Momente beschert hatte - von den Schreckensmomenten der beiden ersten Starter, Dirk Schrade mit Gadget de la Cere (Melzer: "Regel Nummer eins: Am Ende eines Kurses reitet man niemals auf gross!") und Simone Deitermann, die als Einzelreiter die deutschen Farben vertraten, über den souveränen Ritt einer Ingrid Klimke, die mit ihrem Braxxi ("Ein Pferd, das ganz und gar von seinem Herzen und seiner Reiterin lebt", so Melzer) zunächst als erste Manschaftsreiterin dann doch die Welt für das deutsche Team wieder gerade rückte, über die Ritte eines Andreas Dibowski, der sich bis heute nicht erklären kann was es eigentlich war, das seinen Butt's Leon so völlig unverhofft an diesem vermaledeiten 80 Zentimeter schmalen Graben hat stehen lassen, und den Ritt von Frank Ostholt und Mr. Medicott ("das ist wohl das schnellste Vielseitigkeitspferd, das wir derzeit in Deutschland haben und es gibt keinen Kurs, den dieser  Fuchs nicht innerhalb der erlaubten Zeit zu absolvieren im Stande ist!") bis hin zu dem fulminanten Siegesritt unseres Weltmeisters Michael Jung auf seinem Sam - es war schon eine tolle Gelegenheit, all diese Momente noch einmal aufs intensivste nacherleben zu können! Hans Melzer steuerte zu jedem Ritt und jedem Reiter die vorherigen Planungen und Anweisungen bei, die ein jeder Starter mit auf den Weg bekommen hatte, und er stand mit hervorragenden Analysen zur Seite wenn es daran ging zu erklären, warum nun dieses oder jenes Missgeschick passiert war oder wenn es galt, besondere Leistungen an individuellen Sprüngen herauszustellen und zu erklären. 


Informativ und interessant war auch Melzers Einleitung im Hinblick auf die Vorbereitung und den Flug nach Kentucky, die Gegebenheiten vor Ort und die schier unvorstellbare Grösse dieses Areals (4 km x 5 km - im Vergleich dazu kommt unser CHIO in Aachen geradezu minimalistisch daher mit ganzen 400 m x 500 m Areal ...), die im Hinblick auf die Logistik und persönliche Fitness des Einzelnen (ganz egal ob Teilnehmer oder Besucher) eine echte Herausforderung darstellte.
Ausführlich kommentierte Melzer die Manschaftsaufstellung und betonte wie wichtig es sei, diese Entscheidungen mit grösster Transparenz und Nachvollziehbarkeit für alle Beteiligten (und eben auch Nicht-Beteiligten) zu fällen und zu erklären. Und so lernten die Anwesenden eine Menge über die Einschätzung der saisonalen Form der einzelnen Reiter und Pferde, man hatte das Gefühl, Melzer würde aus dem Nähkästchen plaudern und das machte es wohl so spannend.
Letztendlich, so Melzer, war es trotz eines verpassten Medaillenranges für das Team dann doch das wichtigste, dass das "Fernziel" Olyimpia 2012 mit dem fünften Platz der WM-Wertung für Deutschland auf jeden Fall erreicht wurde.

Und so sind die Blicke der Verantwortlichen nun ganz klar nach vorn gerichtet, und zwar zunächst auf Luhmühlen 2011 und der einzigartigen Möglichkeit, als Ausrichter der Europameisterschaften gleich zwölf deutsche Reiter (statt der sonst üblichen sechs) an den Start bringen zu dürfen. Dies bietet die wirklich einmalige Chance, im Vorjahr einer Olympiade eben gleich einem Dutzend potentieller Kandidaten die Möglichkeit zu geben, sich auf einem vergleichbaren Championat zu beweisen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Diese Möglichkeit hat es lange nicht gegeben, so Melzer, und wir schätzen und glücklich im nächsten Jahr gleich zwölf Paaren die Möglichkeit bieten zu können in Luhmühlen zu reiten - es ist die denkbar beste Vorbereitung für London 2012 gerade für all die, die eben noch nicht über langjährige Championatserfahrung verfügen. Denn ein Championat, das ist eben doch etwas ganz anderes als "nur" ein Mehrsterneturnier. Und der Mann weiss wovon er redet - darüber waren sich am Ende der Veranstaltung alle Beteiligten einig.

Sabine Brandt

Münster